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Sicherheitslücken und weitere unkalkulierbare Risiken bei Microsoft – Zeit, zu Open Source zu wechseln

Zehntausende Microsoft Exchange-Server in Deutschland sind über das Internet angreifbar und mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits mit Schadsoftware infiziert. Doch auch Microsoft 365 und die Azure Cloud kämpfen mit massiven Problemen. Abhilfe könnten hier passende OpenSource-Alternativen bieten.

Mehrere kritische Sicherheitslücken bei Microsoft Exchange-Servern

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) wertet die aktuellen Schwachstellen in MS Exchange als geschäftskritische IT-Bedrohungslage mit massiven Beeinträchtigungen des Regelbetriebs [1]. Damit jedoch nicht genug:

Exchange-Server besitzen in vielen Infrastrukturen standardmäßig (teilweise ungerechtfertigt) sehr hohe Rechte im Active Directory. Es ist denkbar, dass weitergehende Angriffe mit den Rechten eines übernommenen Exchange-Servers potenziell mit geringem Aufwand auch die gesamte Domäne kompromittieren können. Zu berücksichtigen ist zudem, dass die Schwachstelle ebenfalls aus dem lokalen Netz ausnutzbar wäre, sofern beispielsweise ein Angreifer über einen infizierten Client auf Outlook Web Access Zugriff erhält.

– BSI: Mehrere Schwachstellen in MS Exchange, 17.03.2021

Das Computer Emergency Response Team der Bundesverwaltung (CERT-Bund) hält bei einem aus dem Internet erreichbaren Outlook Web Access-Server (OWA) eine Kompromittierung ab dem 26. Februar für wahrscheinlich [2]. Wenn Admins nun die Sicherheitspatches einspielen, werden zwar die bekannten Sicherheitslücken geschlossen, nicht jedoch eine mögliche Kompromitierung beseitigt. Zusätzlich muus also geschaut werden, ob Server in der Domäne bereits Ziel eines solchen Angriffs geworden sind und z.B. bereits Hintertüren geöffnet wurde.

Auch heute noch sollen ca. 12.000 von 56.000 Exchange-Servern mit offenem OWA in Deutschland für ProxyLogon [3] verwundbar sein und weitere 9.000 Exchange-Server in den letzten zwei Wochen offline genommen oder der Zugriff auf OWA aus dem Internet unterbunden worden sein [4]:

Exchange-Server mit offenem OWA in Deutschland. Verwundbarkeit für ProxyLogon (CVE-2021-26855 et al.). Stand: 16.03.2021

Quelle: CERT-Bund

Erst vor einem Monat warnte das CERT-Bund, dass auch ein Jahr nach Veröffentlichung des Sicherheitsupdates noch immer 31–63% der Exchange-Server in Deutschland mit offen aus dem Internet erreichbarem OWA für die kritische Schwachstelle CVE-2020-0688 verwundbar waren [5].

Probleme auch bei Microsoft 365 und Azure Cloud

Mehrere Dienste von Microsoft sind am Abend des 15. März 2021 ausgefallen. Verursacht wurden die Probleme durch einen automatisiert gelöschten Schlüssel im Azure Active Directory (AAD). Damit konnten sich Nutzer*innen stundenlang nicht mehr anmelden. Dies betraf auch andere Dienste, die auf der Azure Cloud aufsetzen, u.a. Microsoft Teams, XBox Streams und Microsoft Dynamics. Bereits im September 2020 und Februar 2019 gab es mehrstündige Ausfälle von Microsoft Cloud-Diensten, die ebenfalls auf Fehler im Azure Active Directory Service (AAD) zurückzuführen waren [6].

Das waren jedoch keinesfalls die einzigen Probleme bei Microsoft 365 und der Azure Cloud: Laut einer Studie von Sapio Research im Auftrag von Vectra AI [7] bei 1.112 IT-Sicherheitsentscheider*innen in Unternehmen, die Office 365 nutzen und mehr als tausend Mitarbeiter haben, können Angreifer*innen in den meisten Unternehmen Office-365-Konten übernehmen.

Anlass für die Studie war, dass Fernarbeit infolge der globalen Corona-Pandemie normal geworden ist und Unternehmen schnell in die Cloud gewechselt sind. Häufig wurde dabei zu Office 365 gewechselt. Mit 258 Millionen Benutzer*innen sind sie jedoch auch zu einem verlockenden Ziel für Cyberangriffe geworden. Demnach haben in den letzten 12 Monaten

  • 82% ein erhöhtes Sicherheitsrisikos ihres Unternehmens festgestellt
  • 70% Kontoübernahmen von autorisierten Benutzer*innen festgestellt, wobei durchschnittlich sieben Konten gekapert wurden
  • 58% eine größer werdende Kluft zwischen den Fähigkeiten von Angreifer*innen und Verteidiger*innen festgestellt.

Die meisten Befragten sehen mit der Verlagerung von Daten in die Cloud eine wachsende Bedrohung. Vor allem die Aufwände beim Absichern der Infrastruktur wurden zunächst unterschätzt.

Microsoft vs. Datenschutz

Schließlich fordern nun auch der Landesbeauftragte für Datenschutz in Mecklenburg-Vorpommern und der dortige Rechnungshof von der Landesregierung, ab sofort keine Microsoft-Produkte mehr zu verwenden:

Betroffen sind davon unter anderem Produkte der Firma Microsoft. Eine rechtskonforme Nutzung dieser Produkte allein auf der Basis von Standarddatenschutzklauseln sei aber aufgrund der vom EuGH aufgestellten Grundsätze nicht möglich. Ohne weitere Sicherungsmaßnahmen würden personenbezogene Daten an Server mit Standort in den USA übermittelt.

– Pressemitteilung des Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Mecklenburg-Vorpommern, 17.03.2021 [8]

Tatsächlich kommt diese Forderung jedoch nicht überraschend: Die Konferenz der unabhängigen Datenschutzbehörden des Bundes und der Länder hat bereits 2015 auf diese Gefahren hingewiesen [9].

Folgerichtig schließt der Landesrechnungshof Mecklenburg-Vorpommern, dass nicht rechtskonform einzusetzende Software nicht wirtschaftlich betrieben werden kann.

Ausblick

Die Nachrichten der letzten Tage verdeutlichen, dass Microsoft weder sicher noch zuverlässig betrieben werden kann selbst wenn die Betriebskosten deutlich erhöht würden. Schlussendlich dürften die Microsoft-Services in Europa nicht rechtskonform zu nutzen sein. Mit OpenSource-Alternativen könnte wieder mehr Transparenz, Sicherheit und digitaler Souveränität erreicht werden. So begannen wir letztes Jahr, eine große deutsche Forschungseinrichtung bei den Alternativen zu Microsoft 365 zu beraten: Microsoft-Alternativen – Migration zu OpenSource-Technologien. Dabei ersetzen wir die Microsoft-Produkte schrittweise, über mehrere Jahre hinweg, durch OpenSource-Produkte.

Update: 13. April 2021

Es gibt schon wieder Schwachstellen in Microsoft Exchange Server, für die Microsoft im Rahmen ihres Patchdays auch Updates für Exchange Server veröffentlicht hat [10]. Dieses solte unverzüglich eingespielt werden. Das BSI wertet dies als eine Sicherheitslücke mit verstärkter Beobachtung von Auffälligkeiten unter temporärer Beeinträchtigung des Regelbetriebs [11].

Update: 23. Juli 2021

In der Pressemitteilung äußert sich die Landesbeauftragte für den Datenschutz Niedersachsen, Barbara Thiel, weeiterhin kritisch zum Einsatz von Microsoft 365:

Wir haben bislang keine entsprechende Anordnung oder Untersagung ausgesprochen, Richtig ist allerdings, dass wir den Einsatz dieser Produkte als sehr kritisch einschätzen. … Aufgrund der beschriebenen Gesamtsituation kann ich von einem Einsatz von Office 365 nachwie vor aus datenschutzrechtlicher Sicht nur dringend abraten.

– Pressemitteilung der Landesbeauftragten für den Datenschutz Niedersachsen, Barbara Thiel, 22.07.2021 [12]

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